Rettet das WWW

Rettet das Internet. Rettet die Hyperlinks und damit den Sinn des WWW. 

Das Netz ist in Gefahr. Für Internet Greise wie mich, die fast seid den Anfängen dabei sind und vor langer Zeit mit BTX und Modem begonnen haben sich im World Wiede Web rum zutreiben, sind die letzten Monate revolutionär und gefährlich.
Das Internet war entstanden und entwickelte sich in erster Linie durch die Gleichberechtigung aller Informationen. Kurz: kleine Firmen hatten die Chance sich mit ihrer Webseite vollkommen gleichwertig neben den großen der Branche zu positionieren. Es herrschte Chancengleichheit. Und das alles funktionierte vor allem durch freie Hyperlinks. Jeder konnte alles überall verlinken. Einstmals die Basis für Google, Link für Link folgend, so konnte Google sammeln und eine Suchmaschine überhaupt erst entstehen.
Für die Internet Benutzer damals eine einfache Sache, Link für Link folgend landeten sie auf vielen neuen Seiten und konnten sich umsehen im Web, und hielten sich auf Seiten auf die ihnen gefielen oder die Informationen lieferten die sie suchten. Mit dem Web2.0 entstanden viele erfolgreiche Blogs oder Foren die teils nach eigenen Regeln sehr erfolgreich waren. Es gab viele davon, oft hoch spezialisiert. Jeder verlinkte alles.

Das Soziale Netz

WILFing
WILFing

Die letzten Jahre entwickelte sich aus vielen Communitys und Blog ein neues Internet. Vor allem mit Facebook und Twitter und ähnlichen „Sozialen“ Netzwerken entstanden Dinosaurier Communitys im Internet. Als Facebook ankündigte das Internet zu revolutionieren glaubten viele nicht an diesen Effekt, der mittlerweile aber immer stärker wirkt. Praktisch geht ohne Facebook nichts mehr!
Das Internet kann zwar von der Menge an Inhalten die es beinhaltet praktisch noch endlos wachsen, aber die Benutzung dieser Inhalte wird nicht endlos zunehmen. Die Benutzung ist durch die Zeit begrenzt die uns Menschen bleibt um das Internet zu benutzen. Diese Zeit ist endlich, 24 Stunden am Tag, maximal. Und diese Zeit werden wir über verschiedene Inhalte im Internet verteilen. Dort liegt eines der Probleme begraben, hier wird optimiert und maximiert. Soziale Netzwerke wie Facebook optimieren die Zeit die Benutzer auf ihrem Portal verbringen.
Resultat: die kleinen Seiten im Netz, Blogs und Foren, verlieren diese Zeit. Erklärt: Man kann sich unendlich viele Autos in seine Garage stellen, aber fahren immer nur mit einem.

Wer eine Webseite schon lange betreibt stellt fest das Besucherzahlen in Blogs und aktive Mitglieder in Foren immer weniger werden. Nachdem lange Zeit die Statistiken immer nach oben zeigten sinken diese Zahlen seit der intensiven Ausbreitung der sozialen Netzwerke, Twitter, Facebook und anderer wieder. Erste Foren sind ausgestorben und teilweise verschwunden. Man könnte bereits Banner einführen die anzeigen: „Das ist jetzt alles auf Facebook„. Und das ist die Tatsache!

Ein Beispiel der Einschränkung

Ein Versuch vor einiger Zeit auf einer Facebook Seite. Nennen wir sie CommunityX. Auf der eigenen Homepage der CommunityX veröffentlichen wir einen interessanten Artikel mit einem Bild.

  1. Wir veröffentlichen auf der Facebook Seite einen LINK zu dem Artikel und dem Bild in der Timeline. In 24 Stunden sehen ca. 450 Benutzer diesen Beitrag laut Facebook Statistik.
  2. Wir veröffentlichen das Bild aus dem Artikel direkt als Facebook Bild, mit dem Link zum Artikel in der Beschreibung. In 24 Stunden sehen laut Facebook Statistik über 2.000 Benutzer diesen Beitrag.

Eine normale bekannte Sache. Doch welchen Effekt ruft das hervor? Natürlich, die Bilder sind Facebook lieber, denn der Benutzer wird das Bild anklicken und auf Facebook bleiben! Würde er den Link anklicken, würde er Facebook verlassen und sich ggf. auf der Webseite der CommunityX weiter umsehen. Man muss nicht extra erklären das es hier auch um Werbeanzeigen und damit direkt um die Einnahmen von Facebook geht! Dies ist nur ein simples Beispiel dafür das ein faires Nebeneinander im Internet längst nicht mehr gegeben ist.

Das Netz gleicht sich dem System an

Wo endet es? Das Internet gleicht sich dem Kapitalismus an. Die großen Netzwerke (Facebook) werden immer größer auf Kosten der kleinen Communitys. Wie die Umverteilung von Geld von Arm nach Reich wandern hier die Benutzer von Klein zu Gross. Mit dem Unterschied das Geld mehr wird, aber die Zeit die ein Benutzer zur Verfügung hat bei 24 Stunden am Tag begrenzt ist. Mit dem Umzug der Benutzer wandern natürlich heutzutage auch die Werbeeinnahmen von den kleinen zu den Großen. Damit erfolgt ebenso eine Umverteilung von Geld (Einnahmen aus Werbung). Netzneutralität wird zwar technisch immer noch diskutiert, praktisch aus Sicht der Inhalte im WWW ist sie aber längst Geschichte.

Was können wir tun?

Wir können Facebook und Co nicht aus dem WWW heraus boykottieren, sie haben ja auch durchaus nützliche Eigenschaften. Aber wir können viel intensiver wieder mit Hyperlinks umgehen. In unseren eigenen Beiträgen und Foren mehr Hyperlinks setzen.
Gegen den Strom: In vielen Foren und Communitys (wieder bei den größeren) ist in der Forenordnung verankert das Hyperlinks in Signaturen nur eingeschränkt, oder gar nicht erlaubt sind. Oft versuchen damit die Inhaber auch sich vor Links zur Konkurrenz zu schützen. Eine kurzsichtige Idee, denn die Links zu anderen Inhalten setzen auch die eigenen Inhalte in den Kontext zu den Inhalten zu denen sie gehören. Damit machen sie sich teilweise selbst zur Insel.
Im übrigen sind auch hier Hyperlinks ZU Facebook und Co nicht verboten sondern ehr erwünscht.  Denn auch hier werden Inhalte zueinander in Verbindung gebracht.

Wie erfolgreich wir damit werden und ob wir das Netz retten ist nicht gewiss. Das Sterben der Communitys und Blogs wird weitergehen. Sind bald nur noch Leute informiert die auch Facebook benutzen? Dabei kenne ich so viele Menschen die auch ohne Facebook leben, sie sind auf Google und die Informationen die über Hyperlinks erfasst werden angewiesen. Sie finden keine News und interessanten Beiträge in ihrer Timeline.

Links

Ein recht passendes Interview mit Peter Sunde zum Thema: http://goo.gl/NOv6u5

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